Gärtnerin aus Liebe
Dramma giocoso in drei Akten
von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Giovanni Petrosellini
- Gießener Erstaufführung
- Premiere 11. April 2026
- Großes Haus
Schlaf ich, träum ich, oder wach ich? Mein Gehirn ist ganz verrückt.
Schon mit 18 Jahren zeigt sich Mozart mit diesem „lustigen Drama“ als lebenskluger Menschenkenner, der aus vertrackten Lebenslagen zutiefst humane Komödien zu stricken vermag. Irrungen und Wirrungen, Verwechslungen und Verleugnungen gibt es in „Gärtnerin aus Liebe“ zuhauf: Graf Belfiore hat aus Eifersucht seine Geliebte, die Gräfin Violante Oneste, umgebracht und flieht – nicht wissend, dass sie überlebt hat. Als sie sich, um ihren Geliebten wiederzugewinnen, als Gärtnerin bei dem alten Podestà Don Anchise – der natürlich bald ein Auge auf die Hübsche wirft – anstellen lässt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Ihr Diener verliebt sich in eine Hofdame, welche wiederum Don Anchise zu gewinnen versucht. Dessen Nichte Arminda verschmäht den liebeskranken Don Ramiro zugunsten eines unbekannten Adligen, und schließlich erscheint dieser unbekannte Adlige und entpuppt sich als Graf Belfiore – welcher nun in der Gärtnerin seine ermordete Geliebte zu erkennen glaubt ... Dass letztlich (fast) alle ihren Wunschpartner bekommen, versteht sich in diesem verrückt-unterhaltsamen Frühwerk von selbst.
Violante Onesti hat etwas Schlimmes erlebt. Ihr Geliebter hat versucht sie zu töten. Sie musste ihr Zuhause verlassen und hat ihren Namen in Sandrina geändert. In einem großen Haus mit Garten arbeitet sie nun als Gärtnerin. Sechs weitere Menschen leben dort. Sie alle sind unglaublich verliebt. Doch jeder liebt einen anderen: Ramiro liebt Arminda. Arminda liebt Belfiore. Belfiore liebt nur sich selbst. Nardo liebt Serpetta. Serpetta liebt Podestà. Podestà liebt Sandrina. Sandrina ist traurig, denn ihre alte Liebe war nicht gut für sie. Alle sind sehr verwirrt. Das Stück stellt große Fragen über die Liebe. Was ist Liebe? Wie können Menschen lieben, ohne sich weh zu tun?
„Gärtnerin aus Liebe“ ist eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Geschichte ist ernst, aber die Musik ist lustig und schön. Die Oper ist auf Deutsch. Der Text wird auch auf Deutsch als Übertitel angezeigt.
Sun 21.6.2026
-
Zum
letzten Mal
16:00
h
- 15:30 EINFÜHRUNG | FOYER GH
Mit
- Don Anchise, Podestá Ferdinand Keller
- Marchesa Violante von Onesti, unter dem Namen Sandrina als Gärtnerin in Diensten des Podestá Annika Gerhards
- Graf Belfiore Jakob Kleinschrot
- Arminda, Nichte des Podestá Julia Araújo
- Ramiro, ein junger Dichter und Edelmann Elisabeth Wrede
- Serpetta, Kammerzofe im Hause des Podestá Bogna Bernagiewicz
- Nardo, Diener des Marchesa, als Gärtner ebenfalls im Dienste des Podestá Tomi Wendt
- Philharmonisches Orchester Gießen
Katharina Tasch hat einen Ritter und ein Edelfräulein zeittypisch eingekleidet und Kevin Weidlich hat das Ganze so geschickt beleuchtet, dass die perfekte Illusion von altmeisterlichen Ölgemälden entsteht. Ein regelrechter Coup ist, dass das gemalte Labyrinth sich als dreidimensional und begehbar erweist. Bühnenbild und Kostüme sind auch darüber hinaus mit ihren variantenreichen floralen Motiven eine wahre Augenweide.
Die Besetzung aus Gießener Stammkräften und wenigen Gästen belebt die einzelnen Nummern mit engagiertem Spiel, komödiantischer Lockerheit und großer Lust an szenischen Pointen. Besonders Ferdinand Keller gibt als aufgekratzt-eitler und liebestoller Podestà dem Affen ordentlich Zucker, reizt seine Sprechtexte mitunter bis zur Überdrehtheit aus und passt auch mit seinem charakteristisch herb gefärbten Tenor musikalisch gut zu dieser Buffo-Partie. Sein Gegenpart ist Jakob Kleinschrot als Belfiore, der eine geradezu ideale lyrische Mozart-Stimme mit jugendlich-dramatischen Anlagen besitzt, die auch fabelhaft zu einem Tamino passen würde. Annika Gerhards zeigt sich nach ihrer beeindruckenden Violetta in „La Traviata“ in der Titelpartie erneut in guter Form. Julia Araújo hebt sich mit etwas dramatischerer Stimmfärbung als Armida gut von der lyrischen Stimme der Gerhards ab. Elisabeth Wrede füllt mit ihrem frischen, klaren Mezzosopran die Kastratenpartie des Ramiro aus. Quecksilbrig-hell und selbstbewusst gibt Bogna Bernagiewicz die Serpetta. Tomi Wendt schließlich bewährt sich mit seinem vielseitig einsetzbaren Bariton als Roberto erneut im komödiantischen Fach. […] Zu hören ist durchgängig ein frischer, farben- und kontrastreicher Klang, der Bewunderung für das Genie des jungen Komponisten weckt.
So kann man mit dieser Produktion ein frühes Meisterwerk Mozarts in guter musikalischer Qualität und einer gewitzten, überraschend kurzweiligen, zudem optisch attraktiven szenischen Umsetzung entdecken.
Für das Publikum ist es eine große Freude, in dieser grünen Oase zu verweilen und sich in der fast dreistündigen Aufführung dem Genuss für Aug‘ und Ohr hinzugeben, denn Mozarts ewig junge Musik blüht allenthalben auf und die Regisseurin versteht es mit gärtnerischem Geschick, das vom Libretto her ziemlich wild wuchernde Geschehen klar, mit leichter Hand und in wunderschönen Bildern freizulegen. Hinzu kommen die sieben Akteure, die allesamt nicht nur famos singen und damit den Abend zu einem Fest der Stimmen machen, sondern auch der Komik freien Lauf lassen.
Gießener Anzeiger
Mit stürmischem Temperament und mozartisch furios legt das Philharmonische Orchester Gießen unter dem zupackenden Dirigat des stellvertretenden Generalmusikdirektors Vladimir Yaskorski in der Ouvertüre los und serviert im weiteren Verlauf mit nicht nachlassender Energie einen jugendfrischen, dramatisch akzentuierten Mozart, der hier bereits an etlichen Stellen seine späteren Opernerfolge erahnen lässt. Die detailreiche, klangprächtige Wiedergabe, bei der der Dirigent keine kräftigen Akzente scheut, macht ein ums andere Mal die Kunst des 18-jährigen Komponisten deutlich, den ständig ändernden Emotionen der Protagonisten, ihrem Gefühlsumschlag nachzuspüren und das Innerste nach außen zu kehren.
Gießener Anzeiger
Wie schon als Violetta in „La Traviata“ gibt Annika Gerhards auch als Sandrina wieder eine bravouröse Vorstellung. Im geblümten Gärtnerinnen-Look und mit Blumen im Haar (Kostüme: Katharina Tasch) lässt sie die Spitzentöne ihres beweglichen Soprans mit Leichtigkeit in die Höhe steigen, und wenn sie im blutbefleckten Kleid in einem schwarzen Albtraum noch einmal die an ihr begangene Bluttat durchleiden muss, ist dies eine eindringliche, bewegende Darstellung. Ihr inniges Schlussduett mit Belfiore gehört zu den Höhepunkten der Aufführung, wobei selbst die Musik Mozarts hier nicht die Schwäche des Librettos wettmachen kann, dass Sandrina unbedingt den Mann begehrt, der sie umbringen wollte.
Für die Rolle des Belfiore konnte der junge Tenor Jakob Kleinschrot gewonnen werden, der bereits erste Erfolge an der Deutschen Oper am Rhein sowie in Rostock und Saarbrücken feierte. Äußerlich ein eitler, ziemlich hohler Schönling, der sich mit einem goldenen Kamm kämmt, bringt er seinen kräftigen, klangschönen Tenor zur Geltung. Aufhorchen lässt Elisabeth Wrede als Ritter Ramiro, die mit dem Schwert herumfuchtelt, aber mit ihrem Mezzosopran dafür umso sicherer und wirkungsvoller dramatischen Ausdruck voller Kraft bietet. […] Julia Araújo verleiht dieser kapriziösen Frauenfigur eine ganz besondere Note und zeigt als hohe Dame, welche Komödiantin in ihr steckt. Wie sie da mit feuerrotem Blumenkranz im schwarzen Haar und mit Pumphosen auf einem Zebra angeritten kommt, meint man, Frida Kahlo sei auferstanden. In gesanglicher Hinsicht lässt Julia Araújo mit ihrem kraftvollen Sopran, der zu vielerlei Nuancen fähig ist, nichts anbrennen. Und wenn ihre Arminda die Wut herauslässt, zucken nicht nur am Himmel, sondern auch in ihrer Stimme die Blitze.
In dieser Hinsicht steht ihr die polnische Koloratursopranistin Bogna Bernagiewicz als Zofe Serpetta in nichts nach. Keck und schnippisch spielt sie mit schlagfertigem Witz eine junge Frau, die nicht auf den Mund gefallen ist, und brilliert in der Soubretten-Arie „Wer die Welt genießen will“. Da ist auch Tomi Wendt als Diener Nardo der ideale Gegenpart, der seinen herrlichen Bariton voll entfalten kann.
Bleibt noch Ferdinand Keller als Podestà mit blonder Perücke und im bunten Rokoko-Zottelrock, der am Ende von allen leer ausgeht. Keller genießt es sichtlich, die Komik seiner Rolle voll auszuspielen, und dass er stimmlich auf der Höhe ist, beweist er mit der Buffa-Arie „Ich fühle es in meiner Brust“, in der Podestà seine Wichtigkeit als Amtsperson hervorkehrt.
Gießener Anzeiger
Die Violante der Annika Gerhardss wirkt so zart und zerbrechlich, dass einem elend zumute werden kann, wenn sie leidet. Die Stimme der Koloratursopranistin bezirzt mit betörender Schönheit.
Elisabeth Wrede brilliert in der Hosenrolle des Ritter Ramiro. Ihre blitzsaubere Partie formuliert die Mezzosopranistin sorgsam aus. Bogna Bernagiewicz hat als Kammerzofe wenig zu singen, dafür spielt sie den Rest des Ensembles an die Wand. Tomi Wendt als Nardo ausgenommen. Der Haudegen agiert verschmitzt, seine Artikulation verfügt über Grandezza, so wünscht man sich einen Bassbuffo.
Vladimir Yaskorski führt seine anfangs etwas zu laut aufspielenden Musiker im straffen Tempo durch die Leckerbissen der Partitur. Es gelingt ihm, die stimmlichen Delikatessen der Sänger schmackhaft anzurichten. Für den Pult-Gourmet ist Dirigieren ja immer auch ein wenig wie Zaubern am Herd.
Gießener Allgemeine Zeitung
„Dass es in Mittelhessen eine so sympathische und entdeckungsfreudige Bühne wie das Stadttheater Gießen gibt, das ist kulturelles Gold wert.“
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