Opiate
Tanz von Luana Rossetti & Musik von Mo Heidrich
- Uraufführung
- Premiere 23. January 2026
- Kleines Haus
Beruhigende Illusionen, Ablenkung, Zerstreuung von Zweifeln, Rauschmittel - unser Leben ist voll von Opiaten, die den Verstand und die Seele betäuben. Sie ermöglichen uns, in der kognitiven Dissonanz einer Welt zu leben, die geprägt ist von Abhängigkeiten und den Kämpfen unseres Egos. Ein Miteinander, durchzogen von Strukturen und Hierarchien, von denen wir zumeist glauben, dass wir ohne sie nicht leben können. Dabei ignorieren wir die Mechanismen von Unterdrückung und Ausbeutung - von uns selbst und anderen. Angesichts dessen sind Opiate ein Sinnbild für die Betäubung von schmerzhaften Emotionen und Wahrheiten, die uns in ihrer Intensität überwältigen würden: Wut, Verlangen, Scham, Trauer. Sie unterdrücken aber auch den Mut für Veränderung, die Möglichkeit von Befreiung und die Vorstellungskraft, die Menschheit außerhalb von Gewalt zu denken.
Luana Rossettis Choreografie konfrontiert uns mit der übermächtigen Kraft von Abhängigkeiten in unserer Koexistenz mit anderen. In einer physisch expressiven und kathartischen Reise begeben sich fünf Tänzer*innen in den immerwährenden Aufprall zwischen Fügung und Freiheitswillen, zwischen unterdrückten Emotionen und Ekstase, zwischen Kontrolle, Hingabe und Widerstand. Es ist eine Reise in psychologische Landschaften auf der Suche nach der Möglichkeit des Loslassens: von dem, was uns belastet; von dem, was wir nicht ändern können; und von dem, was Veränderung bisher unmöglich macht.
Dauer: 100 Minuten ohne Pause. Wir empfehlen den Besuch der Vorstellung ab 16 Jahren.
Soothing illusions, distractions, the silencing of doubts, intoxicants — our lives are full of opiates that numb the mind and soul. They enable us to live in the cognitive dissonance of a world shaped by dependencies and the struggles of our ego. It is a coexistence permeated by structures and hierarchies that we mostly believe we cannot live without. In doing so, we ignore the mechanisms of oppression and exploitation — of ourselves and others. In light of this, opiates are a symbol for the numbing of painful emotions and truths that overwhelm us in their intensity: anger, desire, shame, grief. But they also suppress the courage for change, the possibility of liberation, and the ability to imagine humankind without violence.
Luana Rossetti's choreography confronts us with the vast forces of dependence in our coexistence. In a physically expressive and cathartic journey, five dancers enter into the perpetual collision between submission and the desire for freedom; between suppressed emotions and ecstasy; between control, surrender, and resistance. It is a journey into psychological landscapes in search of the possibility of letting go: of what burdens us; of what we cannot change; and of what has so far made change impossible.
Duration: 100 minutes without a break. We recommend that you are at least 16 years old to attend the performance.
Wut, Angst, Zweifel oder Trauer sind schmerzvolle Gefühle. Unsere Welt ist voll davon. Was in der Welt passiert, macht uns traurig: zum Beispiel die Nachrichten von Krieg und Armut. Wir können fragen: Wie viel hat das mit uns zu tun? Viele Menschen glauben, dass man nichts ändern kann. Schmerzhafte Gefühle wollen sie nicht spüren. Die Menschen lenken sich ab. Sie suchen nach Beruhigung. Es hilft, um das Leid in der Welt ertragen zu können. Aber es macht auch taub. Wir verlieren die Kraft, Dinge zu verändern.
Opiate sind Mittel, die taub machen. Darum geht es in diesem Tanzstück. Das Publikum sitzt um die Tanzfläche. Das Publikum ist nah dran an den Tänzern. Auf dem Boden liegt ein Material, das wie Erde aussieht. Es erinnert an einen Vulkan. Die Tänzer zeigen Betäubung und große Emotionen. Das wechselt sich immer wieder ab. Es geht um den Wunsch, loszulassen. Wir wollen loslassen, was uns traurig macht. Wir wollen loslassen, was wir wirklich nicht ändern können. Wir wollen mutig werden für Veränderung. Dieses Tanzstück ist düster, gefühlvoll und sehr körperlich.
Hinweise:
Wenn wir über Menschen schreiben, nutzen wir die männliche Form. Das ist einfacher zu lesen. Aber wir meinen damit immer alle Menschen. Wir schreiben zum Beispiel „Tänzer“. Und wir meinen damit alle Menschen auf der Bühne, die tanzen.
In diesem Stück gibt es flackerndes Licht (Stroboskop).
Die Musik ist manchmal sehr laut. Man kann sie dann im Körper spüren.
Das Publikum sitzt nahe an den Tänzern.
Auf der Bühne liegt ein Material, das wie Erde aussieht. Dieses Material kommt auch zwischen die Stühle. Nach dem Stück, muss man deshalb aufpassen, dass man nicht ausrutscht oder stolpert.
Wed 28.1.2026
20:00
- 21:40 h
- Einführung um 19:30 Uhr | Foyer Kleines Haus
Sat 07.2.2026
20:00
- 21:40 h
- Physical Introduction um 19 Uhr | Einführung um 19:30 Uhr | Foyer Kleines Haus | Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung
Wed 25.2.2026
18:00
- 19:40 h
- THEATERTAG | Einführung um 17:30 Uhr | Foyer Kleines Haus
Mit
- Von und mit Emma Jane Howley, Pin-Chen Hsu, Árnika Krasznai, Alexandre Nodari, Salvatore Piramide
- Springer*innen Rose Marie Lindstrøm, Jeff Pham, Anne Rowe
„Die Inszenierung lebt, pulsiert, atmet.“
Gießener Allgemeine Zeitung
„Die Italienerin Luana Rossetti hat für Gießens Company ein dunkles, fiebriges Stück choreografiert. […] Hier sieht man Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs, sie scheinen den anderen zu suchen, aber jeder und jede ist mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt. Zwar entstehen auch mal Duette, doch während der eine Teil des Duos liebebedürftig wirkt, ist der andere eher grob abweisend. Kein Trost, nirgends. […] Diese fünf Menschen sind besessen, sind verzweifelt, es bricht aus ihnen heraus. Sie wissen nicht, was sie da tun, aber sie müssen es tun wie aus einem inneren Zwang, einer Abhängigkeit."
Frankfurter Rundschau
„Seine [Mo Heidrichs] synthetischen Klangfarben tragen dazu bei, dass diese emotionale Achterbahnfahrt mächtig Fahrt aufnimmt und emotionale Grenzbereiche auslotet.“
Gießener Anzeiger
„Es groovt“
Gießener Allgemeine Zeitung
Manche Licht-Stimmungen beinhalten stroboskopische Effekte.
Die Musik hat streckenweise einen spürbaren Bass.
Das Publikum sitzt sehr nahe am Geschehen. Auf dem Bühnenboden liegt ein Material aus, das wie Erde aussieht. Es verteilt sich während der Performance auch zwischen die Stuhlreihen.
Das Stück thematisiert Gewalt auf körperliche Weise.
Some lighting effects include strobe effects.
The music has a noticeable bass in places.
The audience sits very close to the action. A material that looks like earth is spread out on the dance floor. During the performance, it also spreads between the rows of chairs.
The piece deals with violence in a physical way.
Verwandte Artikel
Das Tanzstück „Opiate“ von Luana Rossetti ist eine physisch intensive Auseinandersetzung mit der Betäubung von Emotionen angesichts schmerzhafter Realitäten. Die Dramaturgin Caroline Rohmer teilt Einblicke in den Abend und Gedanken zu seinen Themen, wie Abhängigkeiten, Illusion und Befreiung.
Haus der Karten
Theaterkasse + Tickets im Dürerhaus
Kreuzplatz 6, 35390 Gießen
Infos und Karten
Tel.: 0641-7957 60/61
theaterkasse@stadttheater-giessen.de