Verwandlung

Neometropolis

Schauspiel von Pat To Yan
Aus dem Englischen von Ulrike Syha

  • Stückauftrag | Uraufführung
  • Premiere 19. Januar 2024
  • Großes Haus

Das Wort für Welt ist Wald.
Ursula K. Le Guin

Der elfjährige Earnest wurde mit der Fähigkeit geboren, das Wetter zu kontrollieren. Zusammen mit seinem Vater Mono lebt er in der Smart City Neometropolis, die vollständig von einem Tech-Konzern kontrolliert wird. Als seine Katze verschwindet, läuft Earnest in den Wald, der die Stadt umgibt, um sie zu suchen. Sein Vater ist verängstigt – auch, weil die Pflanzen in seinem Haus anfangen, ihm über Geräusche Hinweise zu geben. Als Mono einem mysteriösen Mädchen begegnet, die droht ihn umzubringen, beschließt er ebenfalls in den Wald zu gehen. Dieser will Neometropolis besetzen, um das gesamte Ökosystem wiederherzustellen, das von den Menschen und ihrer Technologie zerstört wurde. Der chinesische Autor Pat To Yan thematisiert in „Neometropolis“ die Koexistenz von menschlichen und nichtmenschlichen Lebewesen und hinterfragt die Dominanz des Menschen auf der Erde. Auf einer metaphorischen und gleichnishaften Reise wird der Wald selbst zum Protagonisten, dessen Perspektive wir uns anvertrauen. Sind wir in der Lage, die Sprache der Tiere und Pflanzen zu verstehen? Und was können wir von ihnen über die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten lernen?

Dauer: 2 Stunden und 10 Minuten, inklusive einer Pause.

Wir danken dem „Verein der Freunde des Theaters Gießen e.V.“ für die finanzielle Unterstützung des Autorenauftrags.


Fr. 14.6.2024 - Zum letzten Mal
19:30 - 21:40 Uhr - Einführung um 19:00 | Foyer Großes Haus

Regie & Bühne Thomas Krupa
Bühne & Kostüme Monika Gora
Musik Lyhre
Video Marcin Przybilla
Lichtdesign Jan Moritz-Bregenzer
Dramaturgie Tim Kahn
Choreographie Mel Brinkmann

Mit

Das ungemein bewegliche Ensemble geht mit elektronischer Selbstverfremdung ebenso virtuos um wie mit choreografischen Aufgaben (etwa: wurzelnde, in sich bewegte Bäume, Choreografie: Mel Brinkmann), der Aufgabe eines Background-Chores und Rollenwechseln, ist aber nur ein zentrales Element in einer übergreifend konzipierten Zeichenwelt, die vor allem von der raumgestaltenden und enorm präsenten Live-Musik Lyhres strukturiert und zusammengehalten wird.

Thomas Krupas Inszenierung führt mit sensibler Präzision differente Erzählweisen und semiotische Reservoirs zu einer offenen, aber konsistenten Form zusammen – und konterkariert damit, im Geiste von Pat To Yans lyrisch-märchenhaftem Drama, die Suche nach einer klaren Antwort auf die letzte Frage. Zur großen Freude des Premierenpublikums.

Die deutsche bühne

Regisseur Thomas Krupa und Dramaturg Tim Kahn bringen den Wald auf faszinierende Weise auf die Bühne: Die Schauspieler*innen (Zelal Kapçık, Levent Kelleli, Anne-Elise Minetti, Pascal Thomas) wurzeln herum, wiegen sich als Baumgruppe, ragen verstörend krass beleuchtet als Totholz im Dunst der Nebelmaschine (Choreographie: Mel Brinkmann). Die Kostüme (Monika Gora) sind organisch-dynamisch, farbig ausgeleuchtet für die Waldorganismen, metallisch-antiseptisch für die Menschen der Großstadt.

nachtkritik.de

Untermalt ist die gesamte Aufführung mit Musik der Berliner Soundkünstlerin, Komponistin und Singer/Songwriterin Lyhre. Sie kommentiert, akzentuiert, strukturiert das Stück. Mal leise, psychedelisch; mal harter Rock; mal sphärische Klänge aus dem Wald. […]  Allein dieser Sound ist den Theaterbesuch wert!

nachtkritik.de

Ein Erlebnis voller ästhetischer und akustischer Sinneseindrücke und Tiefgang.

Gießener Allgemeine

Dass der frisch als »Genrespringer« beim Faust-Theaterpreis ausgezeichnete Krupa mit sicherem Gespür alte und neue Theatermittel, Virtuelles und Analoges, Musik und Schauspiel zusammenführen kann, kommt dem Stück zugute. Denn Krupa entwirft eine so faszinierende Welt aus Videos und Musik, dass die […] Story zur beeindruckenden Theatererzählung wird.

Gießener Allgemeine

Heimlicher Hauptdarsteller dieses fantasievollen, voller Ideen steckenden, aber nicht immer stringenten Abends ist jedoch die Berliner Musikerin Lyhre. Am Bühnenhintergrund postiert, sorgt die Singer/Songwriterin mit ihren selbstgeschriebenen und live vorgetragenen Kompositionen für einen eindrucksvollen Soundtrack dieses Theatermärchens. Sie spielt Klavier, setzt mit Soundschleifen am Effektgerät dramatisch anwachsende Klänge zusammen und nimmt bisweilen auch die E-Gitarre für rotzig abgefeuerte Punk-rock-Momente zur Hand. Vor allem mit ihrer zarten wie variationsreichen Stimme trifft die Musikerin aber stets den richtigen Ton.

Gießener Anzeiger

Die Videos (Marcin Przybilla) gestalten den Bühnenraum mit intensiven Farben und vegetabilischen Motiven, eine Zeit lang auch mit grau-dekadenten urbanen Bildwelten. Die Musik begleitet das ganze Stück und wird live gespielt und gesungen von der Komponistin, Pianistin und Sängerin Lyhre – klanglich elaborierte Musik aus dem aktuellen Pop-Mikrokosmos mit plastischem Hinter- und Untergrund, melodischer Prägnanz und markanten Klanggestalten.

Es sind vor allem diese beiden Zeichenwelten, die dem Stück seinen erzählerischen Rahmen geben und mehrfache Wechsel im Diskurs erlauben. Im Rahmen dieser narrativen Struktur drängeln sich choreografische Momente – etwa, wenn das Ensemble als Baumgruppe gemeinsam wurzelt und sich vom Winde bewegen lässt (Choreografie: Mel Brinkmann, Bühne und Kostüme: Monika Gora) – mit dystopischen Science-Fiction-Elementen (etwa dem in der Stadt omnipräsente Hirn-Maschine-Interface), einer emotionalen Vater-Sohn-Beziehung sowie philosophischen Fragen und Motiven.

Frankfurter Rundschau

Nils Eric Müller spielt diesen Jungen mit der atemlosen Hochtourigkeit eines Elfjährigen, ein bisschen trotzig, ein bisschen naiv, ein bisschen altklug und doch weit und breit am weisesten.

Dazu liefert die Berliner Musikerin Lyhre den live gespielten und gesungenen Soundtrack, mal sehr handfest, mal so sphärisch und psychedelisch, mit wundersamen Klickgeräuschen, dass man sich einbilden kann: So klingt es, wenn Pflanzen sprechen. 

Theater der Zeit

Es ist von erhabener Eleganz, wenn die Schauspieler:innen auf der Bühne zu Pflanzen werden, ein langsames Ballett des Wachsens, Wurzelns und Wiegens im Wind (Choreografie Mel Brinkmann). Es hat Komik, wenn sich Anne-Elise Minetti als eigentlich ausgestorbener Riesenpinguin „Big Sea“ immer wieder dagegen verwahren muss, ein Pinguin zu sein. Oder wenn die Auftritte des vom Tech-Konzern gelenkten Bürgermeisters von Neometropolis (Pascal Thomas) wie ein schlecht animiertes Computerspiel ablaufen. Und auch der Spagat zwischen Dystopie und Utopie, zwischen Leichtigkeit und Bodenhaftung gelingt.

Theater der Zeit




Haus der Karten
Theaterkasse + Tickets im Dürerhaus
Kreuzplatz 6, 35390 Gießen

Infos und Karten
Tel.: 0641-7957 60/61
theaterkasse@stadttheater-giessen.de

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