Einmischung und Emotionen

Die Inszenierung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, der Mascha Kaléko-Abend „Grundlos vergnügt“, das Liederprogramm „Gold zu Blei“: sie sind als Schule der Wachsamkeit konzipiert, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Sie sind aus der Überzeugung heraus auf dem Spielplan, dass wir nur mit Kenntnis der Vergangenheit unsere Gegenwart zum Besseren gestalten können. Angesichts des Brandanschlags auf die jüdische Synagoge in unserer Stadt wirken sie allerdings wie Kommentare auf ein Heute, in dem Antisemitismus Teil der Wirklichkeit ist. Das ist erschütternd. Bei der Solidaritätskundgebung für die Jüdische Gemeinde versammelten sich zahlreiche Menschen auf dem Kirchplatz; dort, wo nur noch ein Kirchturm steht – auch eine Folge der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer Verbrechen. Schauspieler Roman Kurtz lieh einem breiten Bündnis von Glaubensgemeinschaften, politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Gruppierungen seine Stimme, in dem er ein von allen Akteur*innen gemeinsam verfasstes Statement vorlas. Nur ein paar Tage später, ab dem 13. Februar, erinnern wir mit dem Audiowalk „Von Gießen nach Theresienstadt“ an die letzte Deportation von Gießener Jüdinnen und Juden, die noch kurz vor Kriegsende, in der Nacht auf den 14. Februar 1945 deportiert wurden.

Am 19. Februar jährt sich der rassistische Anschlag in Hanau zum sechsten Mal. Mit einem solidarischen Café und der Veranstaltung „Wenn der Stift beim Schreiben bricht – Gedichte gegen den Faschismus“ mit dem Journalisten und Poeten Alieren Renkliöz gedenken wir den Opfern. Auch hier geht es neben der respektvollen Erinnerung um die Frage, wie wir gegenwärtiges Zusammenleben gut gestalten können. Und um die Frage, welchen Part die Kunst, die Poesie dabei spielen können. Das treibt uns auch um, wenn wir am 24. Februar in einer szenischen Lesung in deutscher und ukrainischer Sprache das Stück „Timetraveller´s guide to Donbass“ der ukrainischen Autorin Anastasiia Kosodii präsentieren.

Sind diese Veranstaltungen Aufgabe eines Theaters? Geht es nicht vorrangig darum, Inszenierungen und Konzerte zu zeigen? Für ein volles Haus, für Ablenkung, Erbauung, Inspiration zu sorgen und den herausfordernden Alltag sinnstiftend und unterhaltsam zu unterbrechen? Ja und ja.

Ein Stadttheater ist beides:  Diskurs, Einmischung, Ort für gesellschaftliche Auseinandersetzung und politische Sensibilität und Ort für große Inszenierungen, starke Bildsprachen, packende Aufführungen, mitreißende Emotionen.

Wir wollen beides. Wir können beides. Wir tun beides.

Seien Sie dabei.

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