Audiowalk: Von Gießen nach Theresienstadt
Stimmen, die nie verstummen dürfen
Das Stadttheater – eines der wenigen erhaltenen historischen Gebäude dieser Stadt. Ihm gegenüber: die Kongresshalle – ehemalige Synagoge und bis zum 10. November 1938 Zentrum jüdischen Lebens in Gießen. Um das Theater herum: Keller in Gebäuden, die heute als Restaurant, Sparkasse oder Wohnhäuser dienen, in denen die Staatsmacht der nationalsozialistischen Diktatur auf das Schrecklichste spürbar wurde. Begeben wir uns an diese Orte, tauchen wir tief ein in die Niederungen der Geschichte dieser Stadt und ihres Stadttheaters. Und wir hören Stimmen, die nie verstummen dürfen. Wer soll die Erinnerungsarbeit tun, wenn die Zeitzeug*innen immer weniger werden?
Die Antwort auf diese Frage kann nur lauten: WIR!
Als Randi Becker auf uns zukam mit der Idee, über die 13 Frauen und Männer, die aus sogenannten „Misch-Ehen“ wenige Monate vor Kriegsende deportiert wurden ein Projekt zu machen, war schnell klar, dass das Stadttheater dabei sein will und muss. Schließlich wurden am 13. Februar 1945 13 Jüdinnen und Juden aus Gießen und Umgebung im Stadttheater gesammelt und am 14. Februar nach Theresienstadt gebracht. Auch schnell klar war uns, dass wir an Selma Biedenkapp, Selma Bohling, Johanna Schmidt, Dora Scheurer, Emilie Feuster, Erna Schott, Henriette Fischer, Daniel Goldschmidt, Cornelia Jäger, Rose Glitsch, Emma Weber, Rosa Hansel und Berta Konrad in lebendiger Form erinnern wollen und deren Geschichte einen Platz im heutigen Gießen geben möchten. So ist es zur Form des Audiowalks gekommen. Wir begeben uns, gedanklich und physisch, auf die Spuren dieser Menschen, auf die Spuren der Vergangenheit unserer Stadt und legen somit eine Spur in unsere Gegenwart.
Randi Becker und Michelle Damm haben diesen Audiowalk recherchiert und geschrieben, Ensemblemitglieder des Stadttheaters haben ihre Stimme gegeben, damit die Geschichte dieser 13 Menschen nicht verstummt. Dafür gebührt den Beteiligten ein großes Dankeschön!
Simone Sterr