Haarige Angelegenheiten

„herzkopfüber“ von Simone Saftig ist für den Mülheimer KinderStückePreis 2026 nominiert!
Von Mathilde Lehmann

Das ganze Theater freut sich für Simone Saftig und die Produktion „herzkopfüber“. Die Auswahljury von den Mülheimer Theatertagen hat die Uraufführung für den diesjährigen KinderStückePreis nominiert. Fünf Stücke für junge Menschen werden im Mai 2026 in Mülheim an der Ruhr aufgeführt. Am Ende gibt es zwei Preise zu gewinnen: Den Preis der Preisjury für den oder die Autor*in und einen Preis der Jugendjury.

Wir fahren mit der Schauspielerin Lilith Rahel Borchert als Zizi Zöpfchen, der Regisseurin Tamira Kalmbach, Rosanna Rotach für Bühne und Kostüme und ich als Dramaturg*in darf auch mit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich nach Mülheim fahren darf und ich freue mich sehr darauf. Mit den Mülheimer Theatertagen verbinde ich viele schöne Erinnerungen und tolle Begegnungen. Zum Beispiel mit Simone Saftig.

Bei dem Theaterstück „herzkopfüber“ geht es vor allem um Haare. Denn: Alle Menschen haben andere Haare. Jeder Mensch trägt sie anders: lang, kurz, kleingelockt oder glatt, braun, weiß, bunt. Manche haben dicke Haare, manche dünne, manche Haare fliegen sogar. Haare stehen in diesem Theaterstück für Vielfalt. Aber ganz gleich, wie vielfältig, wie unterschiedlich alle Menschen sind, eins haben alle gemeinsam: Alle haben große Gefühle und niemand ist gerne immer allein.

Die Autorin Simone Saftig hat dieses Stück geschrieben. Es ist eine Uraufführung. „Uraufführung“ ist ein Fachwort am Theater, das fast der Schönheit seiner Bedeutung nicht gerecht werden kann. „Uraufführung“, wie der „Urknall“, ein allererstes Mal, das etwas so passiert. Die Worte in „herzkopfüber“ sind in der Kombination, wie sie in diesem Stück vorkommen, noch nicht gesprochen worden: Nicht nur auf einer Bühne, sondern insgesamt, in diesem Universum. In der englischen Sprache heißt es „world premiere“. „Weltpremiere“, das sollten wir in den deutschsprachigen Theaterraum übernehmen.

Es ist das erste Stück für junges Publikum, das Simone Saftig für uns schreibt. Für sie ist es ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung als Autorin. Es ist ihr ein Anliegen, dass das Theater ein Ort ist, um genießen und fühlen zu können. Ohne Fachsprache, ohne komplizierte Worte, ohne Pose. Zweimal habe sie im Theater bislang geweint, erzählt sie. Beide Male sei das in Kinderstücken gewesen – weil der Zugang ganz pur ist. Es macht ihr Spaß, für Kinder zu schreiben, großen Gefühlen Raum zu geben.

Nachdem viele Kinder und ihre Familien das Stück bei uns in Gießen gesehen haben, dürfen wir nun die Arbeit in Mülheim zeigen.

Lilith Rahel Borchert spielt Zizi Zöpfchen. Foto: Nils Heck

Lilith Rahel Borchert spielt Zizi Zöpfchen. Foto: Nils Heck

Vor drei Jahren waren wir das erste Mal in Mülheim. Dort waren wir eingeladen mit Fabienne Dürs Uraufführung „Luft nach oben“, inszeniert von Yeşim Nela Keim Schaub, ausgestattet von Lili Süper und gespielt von Stephan Hirschpointner, Izabella Radić und Dascha Ivanova.

Wir waren so aufgeregt, mit dem Stück von Fabienne auf Gastspiel zu fahren. Am Ende gab es noch mehr Grund zur Freude: Fabienne Dür gewann für das Stück den Preis der Jugendjury. Eine freundliche, kluge und kreative Person gestaltete mit uns Reels für Social Media. Es war Simone Saftig. Simone arbeitete im Marketingteam. Dass sie Autorin ist, wusste ich damals noch nicht. Wie schön klein die Welt manchmal ist!

Letztes Jahr waren wir nicht eingeladen, aber in Mülheim war ich trotzdem. Dafür gab es viele Gründe auf einmal: Fayer Koch, Tamó Gvenetadze, Yeşim Nela Keim Schaub und: Simone Saftig.

Denn Tamó Gvenetadze, die Regie geführt hatte bei „Generation Arbeit“, war schon in der Vorbereitung für das Familienstück im Kleinen Haus: „T-Rex, bist du traurig? (Steht dein T für Tränen?)“ von Fayer Koch. Das Stück und damit Fayer Koch war nominiert für den KinderStückePreis. Tamó begleitete während des Festivals die Jugendjury, während die Jugendjury entscheiden sollte, welches Stück ihre Auszeichnung kriegen soll. Tamó und ich saßen im Café vor dem Ringlokschuppen und sprachen über die Stücke, die wir sahen, und bereiteten die Produktion „T-Rex, bist du traurig?“ vor. Wieder hatten wir Grund für große Freude: Fayer Koch hat den Preis der Preisjury gewonnen.

Simone Saftig und ich trafen uns im selben Café. Wir waren in der Vorbereitung. Simone hatte schon viel mit Tamira und mir telefoniert, aber gesehen hatten wir uns selten. Wir gingen durch ihre aktuelle Fassung von „herzkopfüber“ und besprachen Ideen. Manchmal guckten wir uns um und sagten: Das wäre so schön, wenn das ein Stück für den KinderStückePreis hier wäre.

Yeşim Nela Keim Schaub traf ich zum Abendessen: Yeşim war in der Preisjury für den KinderStückePreis. Eine schöne Wiederbegegnung zum Erinnern an das Stück „Luft nach oben“, den Anfang vom jetzigen Leitungsteam am Stadttheater Gießen und an das Gastspiel im Ringlokschuppen.

Zizi mit Hairy Wuschel und einem ganzen Kosmos von Gefühlen. Foto: Nils Heck

Zizi mit Hairy Wuschel und einem ganzen Kosmos von Gefühlen. Foto: Nils Heck

Und jetzt fahren wir wieder. Simone wird da sein. Ich hoffe, wieder bekannte Gesichter zu entdecken. Ich freue mich auf neue Begegnungen. Und auf tolle Stücke.

In den Wettbewerb um den Mülheimer KinderStückePreis 2026 gehen:

Heute Nacht um 03.34 Uhr
von Uta Bierbaum
Regie: Matthias Schönfeldt
Atze Musiktheater Berlin

Schmetterball
von Dorian Brunz
Regie: Thomas Ladwig
Theater Oberhausen

Buddeln
von Clara Leinemann
Regie: Hanna Müller
Theater Paderborn

herzkopfüber
von Simone Saftig
Regie: Tamira Kalmbach
Stadttheater Gießen

Wimmeln
von Leah Luna Winzely
Regie: Clara Caroline Siewering / Julian Gutmann
Dschungel Wien

Die Kinderstücke-Auswahl verantworten Björn Hayer (Kritiker), Dora Schneider (Regisseurin, Sprecherin des Auswahlgremiums) und Theresia Walser (Dramatikerin). Sie sichten für die Altersgruppen von 6 bis 9 Jahren.

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